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Nick Hornby, Fever Pitch, 14.-19. November 2007

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Im Gespräch mit Nick Hornby


„Fever Pitch“ war Ihr erster Roman – und es war gleich ein Bestseller. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?
Vieles hat sich geändert, als ich das Buch geschrieben habe. Ich machte eine Psychotherapie, die mir sehr geholfen hat. Und ich konnte dadurch wieder darauf fokussiert werden, was ich eigentlich machen möchte. Das weiß ich jetzt und dabei hat mir das Erscheinen des Buchs sehr geholfen.

Was hätten Sie getan, wenn „Fever Pitch“ kein Erfolg geworden wäre? – Wieder als Lehrer gearbeitet?
Mit dem Schreiben verhält es sich so: Es gibt niemals einen Grund, damit aufzuhören. Man muss sich da nicht zwischen dem einen oder dem anderen entscheiden, man kann sich die Zeit beim Schreiben ja selbst einteilen. Aber ja, wäre keines der Bücher ein Erfolg geworden, würde ich wahrscheinlich noch immer lehren, aber eben auch noch immer schreiben.

Ist da das Schreiben ähnlich dem Fan-Sein – sind Sie schreibsüchtig?
Ich fühle mich vom Schreiben nicht so abhängig, trotzdem weiß ich, dass ich es nicht lange ohne aushalte. Fußball ist eher eine aktive Abhängigkeit, während Schreiben eine passive ist. Egal wie krank es mich macht, ich kehre früher oder später wieder dazu zurück. Fußball ist eher konstant, und – ganz nebenbei – Fußball ist sicher auch weniger Arbeit für mich.

Fußball hatte früher ja keine gute Reputation. Wie kamen Sie auf die Idee, gerade über das Fan-Sein zu schreiben?
Ich fühlte mich wie ein Stellvertreter einer Generation von Männern, die mit dem Sport aufgewachsen sind. Ich glaube, dass Fußball sich seit den 1960er Jahren – als England den World-Cup gewann – sehr verändert hat. Das Image des Sports wurde glamouröser zu dieser Zeit – etwa durch George Best. Diese Leute wurden fast zu Pop-Stars und vielen jungen Männern gefiel das auch. Das hat sich weiter bis in die 70er Jahre gezogen. In den 80ern wurde der Fußball selbst wieder etwas wichtiger. Ich habe mich sehr stark mit dem Image des Fußballs beschäftigt, auch in meiner Therapie, dabei fand ich heraus, dass dieser Punkt mir im Unterbewusstsein sehr wichtig war.
Ich dachte, es hat etwas Frisches, über seine Beziehung zum Fußball zu schreiben, anstatt nur darüber zu theoretisieren. Auch dass diese Beziehung viel wichtiger ist, als die Sache selbst. Denn natürlich ist Fußball nur ein Spiel, aber die Gefühle, die damit verbunden sind, schienen es mir wert, näher analysiert zu werden. Und: Ich spielte ja mit Freunden Fußball, und ich saß mit Freunden im Stadion. Ich wusste also, dass es nicht nur mich betrifft. Aber ich wusste nicht genau, wie viele es waren, bis das Buch erschien.

Die soziale Struktur der Fans hat sich stark verändert. Sie schreiben ja auch, dass es schade ist, dass es sich die Londoner Arbeiter nicht mehr leisten können ins Stadion zu gehen.
Soweit ich es beobachten kann, gehen noch immer sehr viele ältere Männer aus der Arbeiterklasse auf Fußball-Matches. Sie geben sehr viel Geld dafür aus, einen großen Teil ihres Einkommens. Das wirklich Traurige ist, dass ihre Kinder nicht mehr mitgehen, auch weil sie kein Interesse daran haben. Das ist meiner Meinung nach das große Problem der Zukunft. Heutzutage schafft es der Fußball einfach nicht mehr, diese Hingabe zu erzeugen. Ich war ja richtiggehend abhängig davon, und das war ja nicht immer angenehm. Und alles war einfach so billig. Als ich anfing, ins Stadion zu gehen, kostete die Eintrittskarte genau so viel wie eine Fahrkarte. Heute kostet eine Fahrkarte 4 GBP und eine Eintrittskarte 40 GBP. Die jungen Leute gehen heute ein- oder zweimal im Jahr ins Stadion, wenn sie Glück haben. Das ist dann so, als würden sie ins Theater gehen, es ist etwas Besonderes. Und aus diesem Grund kann sich auch keine echte Verbindung der jungen Leute zu den Vereinen entwickeln.

Warum haben die Jungen kein Interesse mehr am Fußball?
Grundsätzlich gibt es heute viel mehr Angebote an Freizeitgestaltung für junge Leute. Sie schauen ja auch nicht mehr endlos lange Fußball im Fernsehen. In meiner Jugend war diese eine Stunde Fußball im TV der Höhepunkt am Samstagabend. Es gab nur einen Tag in der Saison – den FA Cup-Tag –, der ein wirklich großer Tag war, weil wir ein Live-Fußball-Match im Fernsehen sehen konnten. Heute gibt es 8, 9, 10 Spiele in der Woche, auch aus Spanien und von überallher, die man sich im Fernsehen anschauen kann.

Gehen Sie noch immer regelmäßig zu den Arsenal-Spielen?
Ich verpasse kein Spiel, außer ich bin auf Reisen – etwa um ein Buch zu promoten. In dem Monat, in dem ein neues Buch erscheint, habe ich natürlich nicht viel Zeit, aber ich glaube, letzte Saison habe ich kein Heimspiel verpasst. Ich gehe aber auf keine Auswärtsspiele mehr. Ich wohne ja nicht allzu weit vom Stadion. 5 Minuten zu Fuß. Auch wenn ich jetzt einen anderen Zugang zu dem Spiel habe, würde ich nicht aufhören hinzugehen. Arsenal spielt einfach einen schönen Fußball, meiner Meinung nach den besten in England, auch wenn sie nicht immer gewinnen, aber ihr Spiel ist wunderschön – zumindest in den letzten 10 Jahren.
Die englische Nationalmannschaft interessiert mich allerdings noch immer nicht. Nationalspiele finde ich grundsätzlich nicht so spannend.

Das in „Fever Pitch“ beschriebene Stadion Highbury gibt es ja nicht mehr. Kommen Sie damit klar?
An sich ist das neue Stadion sehr schön, alles darin ist besser und es ist natürlich viel größer. Aber noch hat es für mich keine Seele. Es gibt da nicht viel Atmosphäre im Moment. In der letzten Saison fühlte ich großes Heimweh nach Highbury. Das alte Stadion ist schon fast kaputt, aber es darf nicht ganz abgerissen werden – wegen der Architektur, aus Gründen des Denkmalschutzes. Das finde ich aber blöd, weil es ja zum Fußballspielen errichtet wurde. Jetzt, wo dort kein Fußball mehr stattfindet, wozu brauchen wir es noch?

Ihr nächstes Buch – „Slam“ – handelt auch von Jugendlichen und dreht sich um Skateboarding.
Die Hauptfigur, der Erzähler, ist ein junger Erwachsener, der ein Skater ist. Ich würde aber nicht sagen, dass es ein Buch über Skateboarding ist. Wobei es bei diesem Phänomen ein größeres Generationen-Loch gibt als beim Fußball. Skaten ist ein Jugendsport – es gibt keine „alten“ Skateboarder, wie eben beim Fußball, wo auch sehr viele ältere Leute zuschauen. In meinem Buch spricht der Erzähler mit Tony Hawk, genauer mit seinem Poster. Ich wusste selbst nicht, wer Tony Hawk ist, bis ich anfing das Buch zu schreiben. Tony Hawk ist ein Phänomen für die jungen Leute – so wie David Beckham –, auch wenn natürlich nicht jeder mit ihm spricht.

Ihre Bücher werden – was wirklich selten ist – auch von Menschen gelesen, die sonst kaum Bücher in die Hand nehmen?
Ich weiß nicht, ob das so ganz stimmt. Ein Teil meiner Leser sind so, dass sie generell nicht viel lesen, aber der andere Teil ist bestimmt „normal“. Ich glaube, dass die Leute, über die ich schreibe, und die Sprache, die ich verwende, eher durchschnittlich, gewöhnlich sind. Vielleicht helfen auch die Witze, die ich mache, da die meisten Leute Lesen mit Seriosität und harter Arbeit verbinden. Je älter ich werde, desto mehr denke ich, dass Bücher aber nicht schwierig zu lesen sein sollten. Viele Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie nicht lesen, aber niemand fühlt sich schuldig, wenn er nicht fernsieht oder ins Kino geht. Für mich ist Lesen genauso wichtig wie Fernsehen und ins Kino zu gehen. Ich glaube, es ist wichtig, die Freude am Lesen wieder zu wecken. Erst in der letzten Zeit hat man als Autor das Recht zu schreiben, ohne langweilig zu sein. In der Geschichte der Literatur sieht man ja auch, dass die wirklich großen Autoren gelesen wurden, weil es Spaß machte und nicht, weil sie als großartig galten.

England macht viel für die Förderung des Lesens.
Ja, ich denke, das Lesen ist noch immer sehr wichtig für unsere Kultur. Das Besondere unserer Kultur ist die Literatur – mehr als etwa das Theater. Wir bringen ja noch immer großartige Autoren hervor, deren Arbeit in Europa und auch in Amerika hoch angesehen wird.

Das Gespräch führte Helmut Schneider am 17. September in London

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